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Mitteilungen 2011



erstellt am: 21.09.2011

Aktionsplan zur Umsetzung der neuen Europäischen Gesundheitspolitik der WHO „Health 2020“
WHO fordert: Rückgang der Adipositas soll Ergebnisindikator im Kampf gegen nichtübertragbare Krankheiten werden

21.09.2011

Zur Umsetzung der neuen Europäischen Gesundheitspolitik „Health 2020“ veröffentlichte das Europäische Regionalbüro der WHO einen Aktionsplan zur Prävention und Bekämpfung nichtübertragbarer Krankheiten für die kommenden fünf Jahre (2012-2016).

Nach Auffassung der Europäischen Sektion der WHO steht die Gesundheitspolitik in Europa vor einer Zeitenwende. Die seit Februar 2011 amtierende, ungarische Regionaldirektorin Zsuzsanna Jakab spricht von der Notwendigkeit eines „big shift“: unter den sich verändernden demographischen und wirtschaftlichen Bedingungen müssten die zunehmend durch die Kosten chronischer Volkskrankheiten unter Druck kommenden Gesundheitssysteme Europas verstärkt strukturierte Gesundheitsförderung und Krankheitsvermeidung betreiben, um der bestehenden Ungleichheit gesundheitlicher Chancen entgegen wirken zu können und die Wirtschaftskraft ihrer Länder nicht weiter zu gefährden.

Mindestens 86% der Todesfälle und 77% der Krankheitslast in der Europäischen Region der WHO entfallen auf die nichtübertragbaren Krankheiten, hauptsächlich auf Herz-Kreislauf-Krankheiten, Krebs, chronische Lungenkrankheiten und Diabetes. Diese chronischen Lebensstilkrankheiten haben gemeinsame Risikofaktoren, Determinanten (z.B. soziale u.a.) und Interventionsmöglichkeiten.

So soll der Rückgang des Risikofaktors Adipositas als Ergebnisindikator für die Verfahrensindikatoren zur Förderung einer gesünderen Ernährung: Lebensmittelpreiskontrollen, Kennzeichnungsvorschriften und Werbebeschränkungen dienen. Die Zielsetzung, den Salzkonsum auf weniger als 5 g pro Person und Tag zu beschränken, geht in diesem Aktionsplan über die nicht präzisierte Forderung der UN-Deklaration vom 20.09.11 nach einer allgemeinen Senkung der Salzaufnahme hinaus.

Es wird darauf hingewiesen, dass die „unterstützenden Interventionen“ (s.u.) eine sektorinterne Verknüpfung zwischen dem Aktionsplan gegen nichtübertragbare Krankheiten und weiter zu fassenden, umwelt- und bildungsbezogenen Maßnahmen darstellen soll. So soll die aktive Mobilität mit Hilfe nationaler Aktionspläne zur Förderung von Zufußgehen und Radfahren sowie zu den Themen Verkehr, Gesundheit und Umwelt gefördert werden. Ziel ist eine bewegungsförderliche Veränderung der städtischen Umwelt. Als Ergebnisindikatoren dienen hier die Zahl der pro Person und Jahr zu Fuß und mit dem Fahrrad zurückgelegten Kilometer sowie der Anteil der Kinder, die den Schulweg in unterschiedlicher Weise aktiv mobil zurücklegen. Weiterhin sollen Schulen und Arbeitsstätten mit Hilfe nationaler Programme gesundheitsförderlicher umgestaltet werden. Ein Ergebnisindikator wird hierzu leider noch nicht formuliert.

Einschätzung: Nach dem Grundsatz „What gets measured, gets done!“ (Margaret Chan, Generaldirektorin der WHO, UN-Gipfel 19.09.11) ist es positiv zu beurteilen, wenn regelmäßige Erhebungen die Dynamik der Entwicklung der Adipositasprävalenz in Deutschland nachvollziehbar machen würden. Dies ist in den vergangenen Jahren versäumt worden: trotz Implementation des Nationalen Aktionsplans zur Bekämpfung des Übergewichts (In Form) sind sowohl Effektivität als auch Effizienz der Maßnahmen nicht ermittelt bzw. kommuniziert worden. Positiv ist ebenfalls zu beurteilen, dass eine stärkere politische Gestaltungskraft zur Konsumlenkung empfohlen wird (Lebensmittel-preiskontrollen), denn es gilt heute als erwiesen, dass bevölkerungsbasierte Maßnahmen zur nichtmedizinischen Primärprävention wirkungsvoller und kosteneffizienter sind als Individualmaßnahmen. Für die aufgeführten gesetzliche Regelungen im Hinblick auf verbraucherfreundlichere Kennzeichnungsvorschriften und Werbebeschränkungen für adipogene Lebensmittel an Kinder setzt sich die DAG bereits seit Jahren ein, da freiwillige Zugeständnisse seitens der Nahrungs- und Getränkeindustrie bislang nicht zielführend waren (s. Bericht der Europäischen Kommission zu 5 Jahren Europäischen Plattform für Ernährung und Bewegung, wir berichteten). Den Ersatz von Transfettsäuren durch mehrfachungesättigte Fettsäuren können wir zwar als positiv, aber nicht als ausreichend betrachten, so auch die Einschätzung von Prof. Kumanyika, IASO-Delegierte beim UN-Gipfel – denn der Brennwert der Produkte bliebe unverändert hoch. Angestrebt werden sollten aber auch Rezepturveränderungen im Sinne der Senkung des Gesamtenergiegehaltes.

Inwieweit die Empfehlungen der WHO Regionaldirektion Europa Eingang in die deutsche Politik finden, bleibt abzuwarten.

Hintergrund:

„Gesundheit 2020“ reagiert auf den sich ändernden Kontext in der Europäischen Region: die krassen Defizite in der gesundheitlichen Chancengleichheit innerhalb der Länder und zwischen ihnen, die Ausdruck starker sozialer Gefälle sind, die wiederkehrende Bedrohung durch Infektionskrankheiten, die Auswirkungen von Globalisierung und neuen Technologien, die alternde Bevölkerung, die Besorgnis über die finanzielle Tragfähigkeit von Gesundheitssystemen, die sich wandelnde Rolle der Bürger und die besonders alarmierende Zunahme nicht übertragbarer Krankheiten. Gleichzeitig sind nichtübertragbare Krankheiten für viele der größer werdenden Ungleichheiten im Gesundheitswesen verantwortlich, denn ihre Bewältigung und Bekämpfung nehmen einen beträchtlichen Teil der Bruttoinlandsprodukte der Länder in Anspruch. Betroffene und betreuende Personen müssen mit zusätzlichen Behandlungskosten, verringertem Einkommen, vorzeitigem Eintritt in den Ruhestand und größerer Abhängigkeit von Sozialfürsorge rechnen und Arbeitgeber und die Gesellschaft müssen die Kosten höherer Fehlzeiten am Arbeitsplatz, eingeschränkte Produktivität und stärkere Arbeitnehmerfluktuation tragen. Mit Sorge wird gesehen, dass von den mit den nichtübertragbaren Krankheiten verbundenen Risikofaktoren zunehmend jüngere Altersgruppen betroffen sind. Es wird erwartet, dass daraus beträchtliche Konsequenzen für Trends im Bereich der öffentlichen Gesundheit in der Europäischen Region resultieren werden.

Ziel des Aktionsplans ist es, durch integrierte Maßnahmen, Verbesserung der Lebensqualität und eine gerechtere Verteilung der Lebenserwartung bei Gesundheit in und zwischen den Mitgliedstaaten vorzeitige Todesfälle zu vermeiden und die aus nichtübertragbaren Krankheiten resultierende Krankheitslast signifikant zu verringern.

Eckpfeiler des Aktionsplans sind:

  • Gesundheitliche Chancengleichheit und ihr Einfluss auf die Möglichkeit von Menschen, gesundheitsförderliche Entscheidungen zu treffen und aufrechtzuerhalten
  • Stärkung der Gesundheitssysteme, insbesondere der primären Gesundheitsversorgung und der öffentlichen Gesundheitsdienste
  • Gesundheit in allen Politikbereichen
  • Ein Lebensverlaufsansatz
  • Befähigung zu selbstbestimmtem Handeln
  • Gleichgewicht zwischen bevölkerungsbezogenen und auf Einzelpersonen bezogene Ansätze
  • Integrierte Interventionsprogramme
  • Ein gesamtgesellschaftlicher Ansatz unter aktiver Beteiligung von Zivilgesellschaft, Unternehmen und Individuen

Als vier vorrangige Handlungsfelder werden benannt:

  • Steuerung und Politikgestaltung (governance, leadership)
  • Stärkung von Surveillance, Überwachung, Evaluierung und Forschung
  • Gesundheitsförderung und Krankheitsprävention
  • Neuausrichtung der Gesundheitsdienste auf die Prävention und Versorgung chronischer Krankheiten

Fünf vorrangige Interventionen werden definiert:

  • Förderung gesunden Konsums durch Fiskal- und Marktpolitik
  • Eliminierung von Transfettsäuren in Nahrungsmitteln (und ihr Ersatz durch mehrfach ungesättigte Fettsäuren)
  • Salzreduktion
  • Kardio-metabolische Risikobewertung
  • Krebsfrüherkennung

Außerdem als unterstützende Interventionen:

  • Förderung aktiver Mobilität
  • Gesundheitsförderung in Settings
Dr. Stefanie Gerlach, 21.09.11


 
UN-Gipfel
Quelle: diabetesDE
  in New York
Quelle: diabetesDE



Weitere Informationen:
http://www.euro.who.int/en/what-we-do/event/first-meeting-of-the-european-health-policy-forum/documentation/background-material/action-plan-for-implementation-of-the-european-strategy-for-the-prevention-and-control-of-noncommunicable-diseases-20112016


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