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erstellt am: 17.07.2008

Schwer daneben - DAG zum Artikel „Schwer: in Ordnung“, SZ-Magazin, 04.07.08

17. Juli 2008

Wir bedauern das Erscheinen des sehr polemischen Artikels „Schwer: in Ordnung“ im Magazin der Süddeutschen Zeitung vom 04. Juli 2008.

In zahlreichen Fällen werden hier leider richtige Fakten und falsch recherchierte Daten (Beispiel: „dass die Kinder immer dicker werden, stimmt nicht“) - absichtlich (?) - in perfider Weise zu einem unheilvollen Trank journalistischer Demagogie zusammengebraut, der sich als sogenannter „Wissenschaftsjournalismus“ geriert. Wer sich allerdings weder fundiert mit dem medizinischen und volkswirtschaftlichen Problem der Adipositas und ihrer Folgeerkrankungen auseinandersetzen will, noch sich mit vorbeugender Gesundheitsförderung und schon gar nicht mit der Intention des Nationalen Aktionsplans und der Initiative „IN FORM“ der Bundesregierung beschäftigt hat (Beispiel: „soziale Unterschiede sollen verfestigt und Dicke als ungesund und unterprivilegiert diffamiert werden“), zeigt, dass er seine Hausaufgaben als seriöser Journalist nicht gemacht hat - und von Sachkenntnis ungetrübt ist.
Mehr noch: der Artikel vermischt moralisch-ethische Diffamierungen (die er vermeintlich anprangern will) mit wissenschaftlichen Unkorrektheiten („Dummheit macht dick“). So ist dem Autor offenbar auch nicht der Unterschied bekannt zwischen einer Ursache-Wirkungs-Beziehung und einer Korrelation. Schwer erträglich auch die Reduktion von „Bildung“ auf „Benimm“ - es fällt schwer, auf diesen Artikel, der qualitativ so gar nicht zur „Süddeutschen“ passen will, nicht in sarkastischer Weise zu reagieren.
Im Nationalen Aktionsplan heißt es: „Die Medien sollen mit einer verantwortungsvollen Darstellung von Ernährungs- und Bewegungswissen dazu beitragen, das gesundheitsbezogene Verhalten der Bevölkerung zu verbessern.“ Es ist zu wünschen, dass diese Botschaft auch bei Autor und Redaktion der „Süddeutschen“ Gehör findet.

Zur Klarstellung nur so viel: Adipositas-Experten bekämpfen „die Dicken“ nicht. Wir setzen uns für die längst fällige Anerkennung der Adipositas als einer chronischen Erkrankung ein – sowie für mehr Lebensqualität, also eine bessere Ernährung und mehr Bewegung in unseren alltäglichen Lebenswelten und für die politischen Rahmenbedingungen, die das ermöglichen und die (uns allen!) helfen können, gesundheitsbewusstere Entscheidungen für unser Leben zu treffen. Übrigens: das „Idealgewicht“ ist seit Jahren ein alter Hut und wird von uns auch nicht propagiert. Im (richtig definierten) BMI-Normalbereich (der für die meisten Menschen ein gutes Maß ist, wenn sie nicht gerade Hochleistungssportler sind) kann sich jeder ein persönliches Wohlfühlgewicht innerhalb einer breiten Gewichtsspanne aussuchen.
Es ist zwar richtig, dass „fitte Dicke“ ein geringeres gesundheitliches Risiko als unfitte Normalgewichtige haben, sie haben aber immer noch ein höheres gesundheitliches Risiko als fitte Normalgewichtige. Daher kann die Schlussfolgerung nur heißen: „Mehr Bewegung für alle“ und nicht etwa, dass stark Übergewichtige (BMI > 30) nicht abnehmen sollten.
Wer nur leicht oder mäßig übergewichtig ist (BMI 25-29,9) muss übrigens nicht unbedingt abnehmen – es sei denn, er hat ein ungünstiges Taillenmaß und damit ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen oder eine ernährungsabhängige Erkrankung (z. B. Diabetes mellitus II, Bluthochdruck, ...). Wer übergewichtig ist, hat jedoch ein erhöhtes Risiko schwer übergewichtig (adipös) zu werden – mit allen Folgeproblemen; daher macht eine frühzeitige Vorbeugung Sinn.

Das Fazit aus diesem Artikel kann für uns nur heißen: weiter machen, mehr und besser kommunizieren. Nie war so deutlich: wir brauchen eine bessere (gesellschaftliche und politische) Wertschöpfung wissenschaftlicher Erkenntnisse und besonders auch eine neue Wertediskussion zum Thema „Gesundheit“ in Deutschland.



Weitere Informationen:
sz-magazin.sueddeutsche.de/texte/anzeigen/25337


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