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erstellt am: 31.10.2008

Die 7 Sydney-Prinzipien: IOTF fordert gesetzliche und grenzüberschreitende Regelungen zum Schutz von Kindern vor Werbung für "adipogene" Lebensmittel

23. September 2008

Mitte August 2008 veröffentlichte eine Arbeitsgruppe der IOTF unter Leitung von Prof. Boyd Swinburn vom Collaborating Centre for Obesity Prevention der Weltgesundheitsorganisation (WHO) sieben grundlegende Leitkriterien zur wirkungsvollen nationalen und internationalen Unterbindung kommerzieller Produkt-werbung für Junk Food und Softdrinks für Kinder und Jugendliche bis zu 16 Jahren.
Die Sydney-Prinzipien sollen die Entwicklung nationaler, regionaler und globaler Marketingstandards weiter vorantreiben, da nach den aktuellen Empfehlungen der internationalen Adipositasexperten neue gesetz-liche Kontrollen und grenzüberschreitende Gesetze unverzichtbar seien: „Selbstverpflichtende Regelungen, selbst wenn sie vollständig erzwungen würden, könnten das große Werbeaufkommen und die hohe Wirksamkeit des Marketings adipogener Nahrungsmittel und Getränke naturgemäß nicht substanziell mindern“, fasst der kürzlich veröffentlichte IOTF-Bericht zusammen (1).
„Die Sydney-Prinzipien spiegeln die Grundrechte von Kindern wider und sollten der Maßstab sein, den wir an Maßnahmen seitens der Regierungen und der Nahrungsmittelindustrie anlegen, um diese Rechte zu schützen“, so Prof. Swinburn.

Die 7 Sydney-Prinzipien

Erfolgreiche Regelungen zur Eindämmung kommerzieller Werbung für adipogene Lebensmittel sollten:

(1) ... die Rechte von Kindern unterstützen
im Hinblick auf angemessene, sichere Lebensmittel mit einem hohen Gehalt essentieller Nährstoffe
(2) ... Kindern ausreichend Schutz bieten
vor kommerzieller Ausbeutung
(3) ... rechtlich verbindlich sein,
um Kindern ein hohes Maß an Schutz zu gewährleisten
(4) ... die Definition kommerzieller Werbung weit fassen,
um alle Arten kommerzieller Werbung für Kinder einzuschließen(z.B. Fernsehwerbung, Print, Sponsoring/ Patenschaften, Wettbewerbe, Treuesysteme, Produktplatzierungen, Beziehungs-Marketing, websites, Mobiltelefon, SMS, virales Marketing)
(5) ... Kindern werbefreie Räume garantieren,
z.B. in Schulen und Einrichtungen der Kinderbetreuung
(6) ... grenzüberschreitende Medien einschließen
in internationalen gesetzlichen Vereinbarungen (z.B. Internet, Satelliten- und Kabel-TV, „free-to-air“-Fernsehen aus Nachbarländern)
(7) ... evaluiert, überwacht und rechtlich durchgesetzt werden.
Die Einhaltung der Grundsätze sollte von unabhängiger Seite geprüft werden.

Hintergrund:

Der erste Entwurf der Sydney-Prinzipien wurde anlässlich des 10. Internationalen Adipositas-Kongresses in Sydney im September 2006 lanciert. Stellungnahmen von Delegierten mündeten in einen überarbeiteten zweiten Entwurf, der von November 2006 bis April 2007 einer globalen Konsultation unterzogen wurde. Die IOTF erhielt 220 schriftliche Stellungnahmen von Berufsverbänden, Wissenschaftsgesellschaften, Verbrauchervereinigungen, Industriegremien, Gesundheitsexperten etc., von denen 128 ausgewertet wurden (1).
Die Absender kamen zu 95% aus insgesamt 18 einkommensstarken Ländern; 65% der Rückmeldungen wurden Gesundheitsexperten oder –organisationen zugeordnet. Die Notwendigkeit eines solchen Prinzipienkatalogs stand für 97% der Absender außer Frage. Mit Ausnahme des 3. Leitkriteriums, dessen Notwendigkeit von Industrieseite mit Hinweis auf bestehende Selbstverpflichtungsregelungen und eine notwendige Balance von Verantwortlichkeiten (Eltern und Kinder, privater Sektor, Regierung und Gesellschaft) angefochten wurde sowie einigen Kommentaren bzgl. der Schwierigkeiten der Implementierung, gab es breite Zustimmung für jedes der Prinzipien. Unterschiedliche Meinungen gab es zu den Punkten „Altersgrenze“ und „Produktgruppen“. Von den Befürwortern einer Altersgrenze (n=110) plädierten 70% für eine Werberegulierung bis zum Alter von mindestens 16 Jahren, über die Hälfte sprach sich sogar gemäß der UN-Definition „Kind“ für das Alter bis 18 Jahre aus. Hinsichtlich der Produktgruppen, auf die sich die Werbebeschränkung beziehen soll, stimmten 31% für „alle Produkte“, 24% für „alle Nahrungsmittel und Getränke“ und 45% für „energiedichte, nährstoffarme Nahrungsmittel und Getränke“. Nach Ansicht der IOTF-Arbeitsgruppe können die beiden letztgenannten strittigen Punkte derzeit nur im regionalen Kontext geregelt werden, ein internationaler Marketing-Code müsste hierzu konkrete Definitionen finden.
Bereits im März diesen Jahres hatten IOTF/IASO und Consumers International einen „International Code on Marketing of Food and Beverages to Children“ anlässlich des Weltverbrauchertags veröffentlicht, der der WHO als Empfehlung für einen eigenen Entwurf dienen sollte.

Ausblick

Die WHO wird einen Aktionsplan zur Prävention von Adipositas und nicht übertragbaren Krankheiten implementieren, der auch die Entwicklung von Empfehlungen für Gesetzesentwürfe hinsichtlich des Marketing für Kinder einschließt. Dazu wird die WHO bis Ende des Jahres Gespräche mit Vertretern von Industrie, Nicht-Regierungsorganisationen und nationalen Regierungen führen. Die Ergebnisse münden dann in eine abschließende Empfehlung der WHO an die Gesundheitsminister. Die Sydney-Prinzipien können daher Basis sein für die Entwicklung eines „WHO Code on Food and Beverage Marketing to Children“.
Die DAG unterstützt die Initiativen von IOTF/IASO und wird deren Positionen gesellschaftlich und politisch vertreten.


Literatur:

1) Swinburn, B.; Sacks, G.; Lobstein, T.; Rigby, N.; Baur, L.A.; Brownell, K.D.; Gill, T.; Seidell, J.; Kumanyika, S., as International Obesity Task Force Working Group on Marketing to Children:
“The `Sydney Principles´ for reducing the commercial promotion of foods and beverages to children”
Public Health Nutrition 2008; 11(9): 881-886



Weitere Informationen:
www.iotf.org/sydneyprinciples/index.asp


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