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erstellt am: 31.08.2009

Kein Hinweis auf Hirnatrophie durch Übergewicht

31. August 2009

Pressekommentar

Auf "spiegel online" (Medizin, 26.8.09) wird unter der Überschrift "Übergewicht kann Gehirnschwund auslösen" eine amerikanische Studie zitiert (Raji CA et al, Brain structure and obesity. Human Brain Mapping, pub. online 26.8.2009). Mittels bildgebender Verfahren (Magnetresonanztomographie) wurden bei kognitiv "normalen" älteren Menschen Atrophien in verschiedenen Hirnarealen (in den Bereichen "frontal", Gyrus cingulatus, Hyppokampus und Hypothalamus) identifiziert. Die Autoren berechnen, dass ein Anstieg des BMIs um eine Standardabweichung einem "Verlust" an Hirnmasse um 4% entspricht. Mögliche Einflußfaktoren wie Schulbildung, Bluthochdruck, Diabetes mellitus, Gefäßerkrankungen oder auch APOE4- Genotyp (höheres Risiko für Demenz) wurden berücksichtigt und zeigten keinen Einfluß auf das Ergebnis.
Die Darstellung der Ergebnisse in "spiegel online" könnte zu Missverständnissen führen. Es gibt keinen Anhaltspunkt dafür, dass Übergewicht direkt zu Hirnatrophie führt. Alle 94 in der Studie untersuchten Personen waren sehr intensiv neurologisch und auch neuro- psychologisch untersucht worden. Es handelte sich ausschliesslich um Personen in einem Alter zwischen 70 und 89 Jahren. Mögliche Erklärungen für die dargestellten Befunde sind erhöhte Cortisolspiegel, zu wenig Bewegung, verminderte Lungenfunktion, oder Herz-Kreislauf- und/oder Stoffwechselerkrankungen (letztere waren zumindest in der statistischen Analyse als Einflußfaktoren ausgeschlossen worden). Da gesunde alte Menschen länger leben, könnten die dargestellten Beobachtungen zum Hirnvolumen auch einem "Überlebensvorteil" entsprechen. Andererseits wurde der Stoffwechsel in dieser Studie nicht differenziert untersucht, so liegen z.B. Angaben zur Insulinresistenz nicht vor. Auch können Veränderungen an den kleinen Blutgefäßen (sog. Mikrovaskulopathie) nicht ausgeschlossen werden. Es ist wahrscheinlich, dass ein großer Teil überge-wichtiger und älterer Menschen bereits geringe Stoffwechselstörungen und so auch Gefäßveränderungen aufweist. Es sollte auch darauf hingewiesen werden, dass es sich bei dieser Studie um eine sog. Quer-schnittsuntersuchung handelt. Eine Langzeituntersuchung könnte belegen, dass es sich hier um frühe Stadien einer Neurodegeneration (z.B. im Sinne eines Morbus Alzheimer) handelt.
Abschliessend ist diese Untersuchung ein weiterer Beleg dafür, dass Adipositas ein hohes Krankheitrisiko birgt und mit vielen Erkrankungen assoziiert ist. Die Studie ist für Wissenschaftler interessant, die Ergeb-nisse sind aber noch nicht abschliessend zu bewerten. Sie sollten aber Adipöse nicht beunruhigen und auch nicht zur Stigmatisierung unserer übergewichtigen Mitmenschen beitragen.

Prof. Dr. med. Manfred J. Müller, Präsident der DAG



Weitere Informationen:
www.spiegel.de/wissenschaft/medizin/0,1518,645113,00.html


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