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erstellt am: 20.06.2016

Experten: Hürden für die Therapie von Menschen mit Adipositas abbauen


+ Weißbuch liefert umfassenden Überblick über die Versorgungssituation der Adipositas in Deutschland
+ Der Anteil Erwachsener mit schweren Formen der Adipositas nimmt zu
+ Zahlreiche Defizite bei der Versorgung Betroffener trotz wirksamer Therapien
+ Experten fordern besseren Zugang und Finanzierung der Behandlung


Berlin, 20. Juni 2016 (IGES Institut) – Experten sind über die steigende Zahl Erwachsener besorgt, die an besonders schwerer Adipositas leiden. Dabei existieren wirksame Therapieansätze, um das Körpergewicht langfristig zu verringern und damit begleitende Erkrankungen zu lindern oder zu vermeiden. Diese Angebote zu finden, ist jedoch für Betroffene oft mühsam. Zudem übernehmen die Krankenkassen nicht durchgehend die Kosten. Experten fordern daher eine flächendeckende, optimal vernetzte und besser finanzierte Versorgung der Adipositas in Deutschland.

Das ist ein Fazit des Weißbuchs Adipositas von Wissenschaftlern des IGES Instituts. Das Buch liefert einen umfassenden Überblick aktueller wissenschaftlicher Daten zur Versorgung der Adipositas. Ziel ist es, Anstöße für die zukünftige Gestaltung und Optimierung der Adipositasversorgung in Deutschland zu geben.

Vor allem bei Männern hat der Anteil mit schwerer Adipositas zugenommen, seit 1998 um 55 Prozent. Bei Frauen, die generell mehr betroffen sind, waren dies 16 Prozent. Insgesamt litten im Jahr 2011 acht Prozent der erwachsenen Frauen und rund fünf Prozent der erwachsenen Männer an erheblicher und extremer Fettleibigkeit.

Adipositas als Krankheit ernst nehmen
„Adipositas muss als Krankheit ernst genommen und nicht mehr nur als Lebensstilproblem angesehen werden, damit in ihre Behandlung mehr investiert wird“, sagt Professor Matthias Blüher, Präsident der Deutschen Adipositas Gesellschaft (DAG) und beratender Experte des Weißbuchs.

Er verweist dabei auf die seit nunmehr zehn Jahren bereitstehenden, wissenschaftlich fundierten Vorgaben für eine individuelle Behandlung Betroffener. Diese medizinischen Leitlinien sehen Ernährungs-, Bewegungs- und Verhaltenstherapien bis hin zu medikamentösen und chirurgischen Behandlungen vor.

Defizite an allen entscheidenden Stellen der Versorgung
Das Weißbuch konstatiert jedoch für eine leitliniengerechte Behandlung zahlreiche Hürden. „Wir sehen bei der Adipositas Behandlungsdefizite entlang der gesamten Versorgungskette“, sagt der Weißbuch-Autor und Leiter des Bereichs Versorgungsforschung am IGES Institut, Hans-Holger Bleß.

Das beginne bei Vorurteilen gegenüber Adipösen und einer mangelnden Akzeptanz der Adipositas als Krankheit sowohl bei Betroffenen selbst als auch bei Ärzten. Beides verhindere häufig einen Therapiebeginn. Zudem existiere kein flächendeckendes Angebot an spezialisierten Ärzten und qualifizierten Gewichtsreduktionsprogrammen, deren Kosten Krankenkassen ohnehin lediglich anteilig übernehmen. Kosten für Operationen tragen die Krankenkassen nur nach Einzelfallprüfungen. Weiter fehlten laut Bleß Strukturen für eine optimale Langzeitbetreuung.

Bessere Finanzierung für leitliniengerechte Behandlung nötig
„Wir können Menschen mit Adipositas nur helfen, wenn die Behandlungsleitlinien endlich konsequenter umgesetzt werden. Dies gelingt nur, wenn Krankenkassen die Kosten für eine medizinisch begründete Therapie übernehmen“, ergänzt Blüher.

„Jeder der oft sehr leidenden Betroffenen muss uneingeschränkten Zugang zu einer qualifizierten und individuellen Therapie haben“, sagt der Bundestagsabgeordnete, Dietrich Monstadt, bei der Buchvorstellung. „Es ist weder im Sinne der Patienten noch des Gesundheitssystems, die Kosten für Folgeerkrankungen zu tragen, statt die Ursachen zu therapieren.“ Hier sei die Selbstverwaltung aus Krankenkassen, Ärzten und Krankenhäusern gefordert, dies zu erkennen und entsprechende Therapien zu ermöglichen.

Die Weißbuch-Experten fordern flächendeckende, idealerweise einheitliche Therapieangebote, bei denen alle an der Behandlung der Adipositas beteiligten Therapeuten optimal zusammenarbeiten. „Ein Lösungsansatz sind Behandlungsprogramme mit geregelter Kostenübernahme und nachweislich positiver Wirkung, wie sie Krankenkassen bereits im Rahmen der integrierten Versorgung anbieten“, erläutert Bleß.

Die Folgen der Adipositas belasten Betroffene und gehen mit hohen Kosten für das Gesundheitssystem einher. Studien zufolge haben Männer ein siebenfach und Frauen ein zwölffach erhöhtes Risiko, an Diabetes zu erkranken, sowie ein zwei- bzw. dreifach erhöhtes Risiko für koronare Herzkrankheit.

Folgekrankheiten treiben Behandlungskosten in die Höhe
Das Weißbuch zeigt, wie vor allem die Begleit- und Folgekrankheiten von starkem Übergewicht die Behandlungskosten in die Höhe treiben: So gehen Studien zufolge zwei Drittel der direkten Behandlungskosten auf die Therapie einer hinzugekommenen Diabeteserkrankung, Bluthochdruck oder koronaren Herzkrankheit und 13 Prozent auf die Versorgung des Übergewichts zurück.

Jüngste Studien nennen unter Einbezug der Therapiekosten für Begleiterkrankungen und aller anderen verbundenen Ausgaben etwa für Pflege jährliche Gesamtkosten der Adipositas in Deutschland von bis zu 30 Milliarden Euro.

Hintergrund Adipositas:
Bei Adipositas kommt es zu einer übermäßigen Ansammlung von Körperfett. Generell erfüllt jeder vierte erwachsene Bundesbürger die Kriterien für Adipositas: weist einen sogenannten Körpermasse-Index, BMI, von mindestens 30 auf. Anhand des BMI werden Unter-, Normal- und Übergewicht ermittelt. In ihn fließen die Körpergröße und das Körpergewicht ein. Die Ursachen der Adipositas sind vielfältig. Dazu gehören genetische Faktoren, Bewegungsmangel und Störungen des Hormonhaushalts. Viele Betroffene leiden an Begleit- und Folgeerkrankungen wie Diabetes. Studien zufolge kann ihre Lebenserwartung bis zu zehn Jahre verkürzt sein. Ein großer Teil der Krebsfälle steht im Zusammenhang mit Adipositas. Experten beziffern die Kosten für die Behandlung der Adipositas und ihrer Begleiterkrankungen auf jährlich bis zu 30 Milliarden Euro.

Das „Weißbuch Adipositas“ – Versorgungssituation in Deutschland haben Wissenschaftler des IGES Instituts verfasst und bei der Medizinisch Wissenschaftlichen Verlagsgesellschaft Berlin veröffentlicht. Es entstand mit finanzieller Unterstützung des Unternehmens Johnson & Johnson Medical GmbH.
Das Buch kann unter www.iges.com/Weissbuch-Adipositas heruntergeladen werden.

 


Über das IGES Institut: Forschen – Entwickeln – Beraten für Infrastruktur und Gesundheit

Das IGES Institut wurde 1980 als unabhängiges Institut gegründet. Seither wurde in über 1.600 Projekten zu Fragen des Zugangs zur Versorgung, ihrer Qualität, der Finanzierung sowie der Gestaltung des Wettbewerbs im Bereich der Gesundheit gearbeitet. In jüngerer Zeit wurde das Spektrum auf weitere Gebiete der öffentlichen Daseinsvorsorge ausgeweitet: Mobilität und Bildung. Das IGES Institut gründet seine Arbeit auf hohe Sach- und Methodenkompetenz und bietet in allen Arbeitsgebieten einen breiten Zugang zu eigenen und zu Datenquellen anderer Institutionen. Gemeinsam mit den Unternehmen CSG und IMC (beide Berlin), AiM (Lörrach) sowie HealthEcon (Basel) beschäftigt die IGES Gruppe mehr als 130 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter.


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