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Pressemitteilungen 2015



erstellt am: 15.05.2015

Europäischer Adipositas-Tag am 16.05.2015:
Europäer unterschätzen das Gesundheitsrisiko Adipositas


Brüssel/München, 15.05.2015 - Laut einer Umfrage der Europäischen Adipositasgesellschaft EASO unter mehr als 14.000 Europäern aus sieben Ländern, darunter auch Deutschland, wissen fast ein Viertel der Europäer nicht, dass Adipositas (krankhaftes Übergewicht ab BMI 30) Herz-erkrankungen, Diabetes Typ 2 und Bluthochdruck verursachen kann. Weniger als die Hälfte der Befragten verbinden Adipositas mit Schlaganfällen und nur 16 Prozent kennen den Zusammenhang von Adipositas und Krebserkrankungen.

„Adipositas ist eine der am schnellsten wachsenden Bedrohungen für Gesundheit und Wohlbefinden in Europa”, warnt Euan Woodward, Geschäftsführer der Europäischen Adipositas-Gesellschaft (European Association for the Study of Obesity, EASO). „In einigen europäischen Ländern werden heute sechs von zehn Erwachsenen als adipös eingestuft. Bis 2030 könnten es nach Schätzungen bereits neun von zehn sein.” Dennoch zeigten die aktuellen Umfrageergebnisse, dass sich viele Menschen nicht über die gesundheitlichen Konsequenzen von Adipositas im Klaren sind.

Übergewicht ist das neue Normal

Ein weiteres Ergebnis der Befragung: Viele Menschen können ihre Gewichtssituation und damit ihre gesundheitliche Gefährdung nicht zutreffend einschätzen. Vier von fünf Befragten, die einen Body-Mass-Index (BMI, Körpermasseindex) haben, der sie als adipös klassifiziert, schätzen sich selbst nur als „übergewichtig” ein. Ein Drittel derer, die ihr Gewicht als „normal” einstufen, sind laut BMI-Angaben aber de facto übergewichtig. Nur ein Fünftel der Befragten bemüht sich, ihr Gewicht zu kontrollieren und nur 17 Prozent der Befragten achten auf die Kalorien, die sie jeden Tag zu sich nehmen.

„Übergewicht ist das neue Normal in Europa und auch in Deutschland. Wir haben uns an den Anblick übergewichtiger Menschen gewöhnt – die Gesundheitsgefährdung durch Adipositas ist eine Banalität geworden, die wir nicht ernst genug nehmen. Dabei bräuchten wir große Aufklärungskampagnen, wirkungsvolle Präventionsstrategien und vor allem führungsbereite Politiker, die einen Paradigmenwechsel in der Prävention hin zu verhältnispräventiven Maßnahmen einleiten. Das Bewusstsein für einen gesunden Lebensstil fehlt in der Bevölkerung“, so der Präsident der Deutschen Adipositas-Gesellschaft (DAG), Prof. Dr. med. Martin Wabitsch. Insgesamt werde ein gesunder Lebensstil zu wenig durch die Regierung unterstützt.

Genetische Veranlagung und Lebensumstände gleichermaßen verantwortlich

Die meisten Befragten identifizieren Über- und Fehlernährung sowie Bewegungsmangel als Ursachen für Adipositas. Weniger als ein Viertel weiß, dass Schlafmangel zu Übergewicht beitragen und weniger als die Hälfte ist sich bewusst, dass Stress eine wichtige Rolle spielen kann.

„Es ist falsch, zu glauben, Betroffene könnten allein durch eine andere Ernährung und mehr Bewegung dauerhaft abnehmen. Das Körpergewicht wird durch einen festen hormonellen Regelkreis gesteuert, der langfristig nur bedingt von außen beeinflussbar ist. Wenn ich an einer Stellschraube drehe, wird dies an anderer Stelle automatisch kompensiert. Adipositas wird durch die vererbte und metabolisch geprägte Veranlagung ausgelöst sowie durch sozio-ökonomische und persönliche Lebensumstände und durch ein adipogenes Lebensumfeld gefördert. Es ist am Ende keine Frage von schuldhaftem Verhalten, krankhaft übergewichtig zu werden”, mahnt Kinder- und Jugendarzt Wabitsch.

Adipositas ist keine Lifestyle-Erkrankung

„Adipositas als Lifestyle-Erkrankung darzustellen, ist eine unzulässige Verharmlosung. Adipositas ist eine therapiebedürftige, chronische Erkrankung und zeigt als solche die Tendenz, sich im Zeitverlauf zu verschlechtern und Folgeerkrankungen nach sich zu ziehen. Über diese Zusammenhänge muss viel breiter aufgeklärt werden – selbst Ärzte haben hier häufig Wissenslücken, machen Betroffene unbewusst oder implizit für ihren Zustand selbst verantwortlich und sind im Umgang mit Betroffenen wenig einfühlsam“, erklärt Wabitsch.

Breite Aufklärung, wirksame Prävention und Therapiesicherheit nötig

Auch das in Deutschland gerade im Gesetzgebungsverfahren befindliche Präventionsgesetz lege einen Schwerpunkt auf „Eigenverantwortung“ – obwohl eine moderne, wirksame Präventionsstrategie nach Empfehlungen von WHO und Vereinten Nationen heute einen Paradigmenwechsel hin zur Verhältnisprävention empfehle. Hier müsste die Politik handeln, indem sie z.B. der Lebensmittelindustrie Einhalt gebietet: Denn diese bringe ein Überangebot zu fetthaltiger, zu zucker- und zu salzreicher Lebensmittel zu kleinen Preisen unter die Leute und bewerbe insbesondere ungesunde Lebensmittel mit Kindern als Zielgruppe, kritisiert Wabitsch.

„Auch im Hinblick auf die Finanzierung von Adipositastherapien werden die Patienten alleingelassen – der entsprechende Paragraf zur „Ergänzenden Rehabilitation“ im SGB V ist ein „Kann-Paragraph“ – Krankenkassen können sich entscheiden, eine Adipositastherapie zu finanzieren – oder nicht. Für extrem Adipöse, die in der Regel auch schwer krank sind, ist ein chirurgischer Eingriff noch die einzige Möglichkeit, um aus dem bedrohlichen Gewichtsdilemma herauszukommen. Ihnen diesen Eingriff zu verweigern, wie es in Deutschland tagtäglich vorkommt, ist unethisch“, schließt DAG-Präsident Wabitsch.

Pressestelle DAG:
Dr. Stefanie Gerlach
Mediensprecherin im Vorstand der Deutschen Adipositas-Gesellschaft e.V. (DAG)
Tel.: 0163/ 8534731
Email: pressestelle@adipositas-gesellschaft.de

Deutsche Adipositas-Gesellschaft e.V. (DAG)
Geschäftsstelle
Waldklausenweg 20
81377 München
www.adipositas-gesellschaft.de

“Obesity: An underestimated threat” ist eine der größten Studien zur Wahrnehmung von Adipositas und krankhaftem Übergewicht weltweit. Die Daten wurden in Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien und Italien durch die Strategieberatungsagentur Opinium in Zusammenarbeit mit der European Association for the Study of Obesity (EASO) und mit der Unterstützung von Medtronic erhoben. Weitere Infos: http://easo.org/perception-survey/summary-of-all-countries/survey-de

Auswahl von Länder-spezifischen Ergebnissen

  • Der Anteil von Menschen, die sich als übergewichtig oder adipös bezeichnen, ist höher in Italien (45 Prozent) und Großbritannien (44 Prozent), aber niedriger in Deutschland (36 Prozent) und Frankreich (38 Prozent).
  • Die Zufriedenheit mit dem eigenen Gewicht ist in Deutschland am höchsten (55 Prozent) und am niedrigsten in Dänemark (40 Prozent), Großbritannien (41 Prozent) und Italien (41 Prozent). Die Zufriedenheit ist außerdem größer unter Männern (49 Prozent) als unter Frauen (42 Prozent).
  • Dänen (80 Prozent) und Italiener (75 Prozent) kennen am ehesten jemanden, der adipös ist. Weniger wahrscheinlich ist dies in Frankreich (55 Prozent).
  • Vor allem Menschen in Großbritannien (94 Prozent) und Dänemark (84 Prozent) sagen, das Adipositas ein Ergebnis des eigenen Lifestyles ist.
  • In Frankreich erachten mehr Menschen (43 Prozent) eine genetische Störung als mögliche Ursache für Adipositas. In Großbritannien tun dies nur 25 Prozent.
  • Nur in Großbritannien (51 Prozent) wird in Adipositas eine größere Gesundheitsgefahr als in Rauchen gesehen. In Frankreich glauben das nur 39 Prozent.
  • In Frankreich erachten mehr Menschen (55 Prozent) Stress als Faktor, der die Ausbildung von Adipositas begünstigen kann, als in Großbritannien (38 Prozent).
  • In Frankreich (81 Prozent) und Belgien (79 Prozent) denken mehr Menschen, dass ein chirurgischer Eingriff manchmal die richtige Behandlung von Adipositas darstellt, als in Großbritannien (63Prozent). Dennoch sind chirurgische Eingriffe in Großbritannien als Behandlungsart von Adipositas am häufigsten (87 Prozent).
Die European Association for the Study of Obesity (EASO)
ist die führende europäische wissenschaftliche und mitgliederbasierte Adipositas-Gesellschaft mit einem Netzwerk, das mehr als 30 Länder umfasst. Die EASO unterstützt und engagiert sich in Aktivitäten zur Vorbeugung und zum Kampf gegen die Epidemie Adipositas. Sie trägt zu einem professionellen Diskurs auf europäischem und nationalem Level bei und koordiniert Adipositasaufklärung in ganz Europa. (www.easo.org)

Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft e.V. (DAG)
versteht sich als Fachgesellschaft von Wissenschaftlern und therapeutisch tätigen Experten, die sich dem Krankheitsbild Adipositas (starkes Übergewicht) widmen. Der gemeinnützige Verein hat sich vorrangig zum Ziel gesetzt, Forschung, wissenschaftliche Diskussion, Weiterbildung und wissenschaftlichen Nachwuchs im Bereich Adipositas zu fördern sowie Konzepte und Leitlinien zu Prävention, Diagnose und Therapie der Adipositas zu entwickeln. Neben der Veranstaltung von Fachtagungen engagiert sich die DAG berufspolitisch, forschungs-politisch und gesundheitspolitisch. Fachorgane der DAG sind die Zeitschriften "Adipositas" (Schattauer Verlag) und "Obesity Facts" (Karger Verlag). Ein aktueller Tätigkeitsschwerpunkt der DAG ist es, Politik und Öffentlich-keit auf die „Public Health“-Aspekte der Adipositas hinzuweisen. Eine Tochterorganisation der DAG ist die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) (www.a-g-a.de).
Die DAG ist Mitglied der International Association for the Study of Obesity (www.iaso.org), der European Association for the Study of Obesity (www.easo.org) sowie Mitgliedsgesellschaft der Arbeitsgemein-schaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF), der Plattform Ernährung und Bewegung e.V. (www.ernaehrung-und-bewegung.de) und der Deutschen Allianz Nichtübertragbarer Krankheiten (DANK).

Opinium Research LLP
ist eine europäische Strategieberatungsagentur mit Sitz in London, die mit verschiedenen Organisationen zusammenarbeitet mit Hilfe unterschiedlicher Methodiken. Ergebnis ihrer Arbeit sind gesellschaftliche Erkenntnisse, die bei der politischen Entscheidungsfindung unterstützen können.

Medtronic plc
mit Sitz in Dublin, Irland, ist ein weltweit führendes Unternehmen für Medizintechnik – mit dem Ziel, Schmerzen zu lindern, Gesundheit zu fördern bzw. wiederherzustellen und Leben von Millionen von Menschen weltweit zu verlängern. www.medtronic.com




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