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Pressemitteilungen 2016



erstellt am: 24.08.2016

„Zuckerwasser“ mästet Minderjährige
DAG fordert Herstellerabgabe und Schulverweis für überzuckerte Getränke


München, den 24. August 2016 Achtzig Prozent der in Deutschland erhältlichen Erfrischungsgetränke enthalten Zucker – im Durchschnitt mehr als 18 Gramm pro Portion von 250 ml – so die heute in Berlin vorgestellten Ergebnisse der Foodwatch-Marktstudie 2016 „So zuckrig sind `Erfrischungsgetränke´ in Deutschland“. Vier der fünf zuckerreichsten Schorlen sind Bio-und Trendgetränke. Nur 12 Prozent des Sortiments sind `zuckerfrei´ mit weniger als 0,5 Prozent Zucker, davon enthalten aber rund 90 Prozent Süßstoffe. „Es ist seit langem bekannt, dass flüssiger Zucker in Getränken die Entstehung von Übergewicht fördert. Deshalb brauchen wir auch in Deutschland gemäß dem britischen Modell der Limosteuer einen Herstelleranreiz für weniger Zucker in Getränken“, fordert DAG-Präsident Professor Dr. Matthias Blüher. Die permanente Gewöhnung an den süßen Geschmack und die flüssigen Zusatzkalorien seien besonders für Minderjährige schädlich, da diese die Hauptkonsumenten überzuckerter Erfrischungsgetränke sind, so Kinder- und Jugendarzt Professor Dr. Wieland Kiess. Deshalb sollten zuckerhaltige Getränke an Kitas und Schulen nicht mehr abgegeben werden.

„Wir sehen hier eine geteilte Verantwortung für die Lebensmittelindustrie, den Staat und private Haushalte.“, erläutert DAG-Präsident Blüher. „Die Lebensmittelindustrie sollte den Zuckergehalt in ihren Produkten senken, auf Kindermarketing für ihre übergewichtfördernden Produkte verzichten und eine verbraucherfreundliche Nährwertkennzeichnung umsetzen. Der Staat sollte sich nicht darauf verlassen, dass dies freiwillig geschieht und sollte entsprechende ökonomische Anreize setzen, d.h. durch eine Herstellerabgabe auf Zucker den Zuckerzusatz teuer und damit unattraktiv machen, dafür sorgen, dass Schulen zuckerreiche Getränke nicht mehr anbieten können und dass Verbraucher mit einem Blick auf die Vorderseite der Verpackung zuverlässig den Zuckergehalt einschätzen können. Eltern müssen besser informiert und überzeugt werden, weniger zuckerreiche Getränke nachzufragen – das passiert quasi auch automatisch, wenn die überzuckerten Produkte im Preis steigen“, so Blüher weiter. „Da Minderjährige heute aber auch zahlungskräftige Kunden sind, also direkt Kaufentscheidungen treffen oder mitentscheiden, darf es kein an Minderjährige gerichtetes Marketing für übergewichtsfördernde Lebensmittel und Getränke geben und diese Getränke sollten in Schulen und Kitas auch nicht mehr verkauft werden.“, fasst Blüher zusammen.

Schon lange warnen Adipositas-Experten weltweit davor, dass sich Kinder und Jugendliche durch zu viele zuckerhaltige Getränke regelrecht dick trinken können. Dies belegen auch neuere Studien 2,3. Seit fast zehn Jahren empfehlen die Ernährungskommissionen der pädiatrischen Fachgesellschaften in Deutschland, Österreich und der Schweiz deshalb, auf Getränke mit zugesetzten Zuckern ganz zu verzichten, lieber ein Stück Obst zu essen, als seinen Saft zu trinken und Kindern zum Durstlöschen vor allem Wasser, ungezuckerte Tees und stark verdünnte Fruchtschorlen anzubieten4. „Wie die Foodwatch-Studie zeigt, können sich Eltern leider auch nicht darauf verlassen, dass Bio- und Trendschorlen grundsätzlich zuckerarm sind“, so Kinder- und Jugendarzt Kiess aus Leipzig.

Bereits 2011 hatte die DAG den DAG-Präventionspreis an die „Trinkfit-Studie“ verliehen, die zeigen konnte, dass das Aufstellen von Trinkwasserspendern in Grundschulen, die keine zuckerhaltigen Getränke verkauften, die Adipositasprävalenz signifikant innerhalb eines Schuljahres senken konnte: durch einen höheren Trinkwasserkonsum in der Schule und sogar auch zuhause sank das Risiko, übergewichtig zu werden, um knapp ein Drittel5. 2015 erhielt abermals ein Trinkwasserprojekt an der Schule den DAG-Präventionspreis 6.

In Deutschland trinken Teenager im Alter von 14-18 heute im Durchschnitt täglich einen Viertelliter (Mädchen) bzw. einen halben Liter Limonaden (Jungen)1. Im Alter von 6-7 Jahren nehmen Jungen nur über Limonaden 5 kg Zucker/ Jahr zu sich, im Alter von 14-17 Jahren sind es bereits 30 kg/ Jahr. Und hier ist der Zuckerverzehr über Obstsäfte und –schorlen noch nicht einmal einberechnet. Erwachsene in Deutschland konsumieren mehr als doppelt soviel Zucker, wie die Weltgesundheitsorganisation und die Deutsche Gesellschaft für Ernährung empfehlen: Statt maximal 50 g am Tag sind es im Durchschnitt über 100 g am Tag 1; die Vorliebe für Süßes ist angeboren, wird aber vor allem in der Kindheit kultiviert und fürs Leben geprägt.

„Wir brauchen in Deutschland eine nationale Adipositas-Strategie, da reicht es nicht aus, sich nur auf den Zuckergehalt in Getränken zu beschränken. Zuckergehalte in Produkten zu reduzieren, ist aber notwendiger Teil eines ganzheitlichen Lösungsansatzes und deshalb unbedingt zu befürworten“, so Kiess.

Quellen:

  1. Deutsche Gesellschaft für Ernährung [Hrsg.]: Ernährungsbericht 2012
  2. Ebbeling CB, Feldman HA, Chomitz VR, Antonelli TA, Gortmaker SL, Osganian SK, Ludwig DS. A randomized trial of sugar-sweetened beverages and adolescent body weight (2012). N Engl J Med 367:1407-16
  3. Hu FB. Resolved: there is sufficient scientific evidence that decreasing sugar-sweetened beverage consumption will reduce the prevalence of obesity and obesity-related diseases (2013). Obes Rev 14:606-19
  4. http://www.adipositas-gesellschaft.de/index.php?id=288&tx_dagmitteilungen_pi1[showUid]=29&cHash=07addc2eac1e2e81d7451de5cf5982af
  5. http://www.trinkfit-mach-mit.de/index.php?id=12#c63
  6. http://www.adipositas-gesellschaft.de/index.php?id=233


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