DAG und AGA unterstützen Stellungnahme der Nationalen Akademie der Wissenschaften Leopoldina zu Strategien zur Prävention und Therapie der Adipositas
Berlin, 21. Januar 2026. Die Nationale Akademie der Wissenschaften Leopoldina hat am heutigen Mittwoch ein umfangreiches Positionspapier zur Eindämmung der Adipositas-Epidemie in Deutschland veröffentlicht. In ihrem Policy Brief in der Reihe „Leopoldina Fokus“ empfiehlt die Leopoldina Strategien zur Prävention und Therapie der Adipositas. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft e.V. (DAG) und die Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) begrüßen ausdrücklich die Veröffentlichung der Stellungnahme sowie die in ihr enthaltenen Forderungen
Die Leopoldina bekräftigt, dass die Prävention von Adipositas einen umfassenden, langfristigen Ansatz erfordert, der sowohl die gesellschaftlichen Verhältnisse als auch das individuelle Verhalten berücksichtigt. Ziel müsse es sein, gesunde Lebensbedingungen zu schaffen, gesundheitsförderndes Verhalten zu erleichtern und verschiedene Hochrisikogruppen in der Bevölkerung frühzeitig zu identifizieren. Eine wichtige Bedeutung wird der frühen Prävention beigemessen. Diese sollte bereits vorbeugend in der Schwangerschaft und in den ersten Lebensjahren ansetzen, so zum Beispiel über Programme in Kindergärten und Schulen, die Gesundheits- und Bewegungskompetenzen fördern. Die Leopoldina fordert aber auch staatliche Maßnahmen wie eine Zuckersteuer, die Senkung der Mehrwertsteuer auf gesunde Lebensmittel und Werbeverbote für ungesunde Produkte, insbesondere, wenn sie sich an Kinder und Jugendliche richten.
Prof. Dr. Martin Wabitsch (Ulm), Sprecher der AGA, bekräftigt: „Die Nationale Akademie der Wissenschaften unterstreicht absolut zutreffend, dass die Prävention ein zentraler Schlüssel zur Vermeidung der Adipositas ist. Viel zu wenig werden bislang Maßnahmen ergriffen, die Kinder und Jugendliche schützen, Gesundheits- und Bewegungskompetenzen fördern und gesunde Lebenswelten schaffen. Viele ausgewogene und evidenz-basierte Vorschläge sind vorhanden, wir wissen also, was zu tun wäre. Nun muss aber auch an verantwortlicher Stelle gehandelt werden!“
Neben umfassenden Präventionsmaßnahmen sind laut der Leopoldina effektive therapeutische Ansätze essenziell, um Betroffene zu behandeln und ihre Lebensqualität nachhaltig zu verbessern. Dabei müssten verschiedene Therapieformen auf die individuellen Bedürfnisse der Patientinnen und Patienten abgestimmt werden, so die Leopoldina. Es gelte die Möglichkeiten neuer pharmakologischer Ansätze zu nutzen, die einen effektiven Gewichtsverlust ermöglichen und Begleiterkrankungen positiv beeinflussen können. Hier müssten für den Zugang zu modernen Adipositas-Medikamenten wie Inkretin-Mimetika, bestehende rechtliche und finanzielle Barrieren abgebaut werden, insbesondere mit Blick auf Paragraf 34, Absatz 1 des Sozialgesetzbuches, den sogenannten „Lifestyle-Paragrafen“. Außerdem bleibe die Förderung von Lifestyle-Interventionen ein zentraler Bestandteil der Therapie. Digitale und telemedizinische Angebote könnten diese Maßnahmen niedrigschwellig und alltagsnah gestalten. Für schwer Betroffene oder bei fehlendem Erfolg konservativer Maßnahmen bieten zudem chirurgische Therapien wie Operationen zur Gewichtsreduktion eine effektive, wenn auch invasive Behandlungsoption.
Prof. Dr. Matthias Laudes (Kiel), Präsident der DAG, kommentiert: „Wir begrüßen ausdrücklich die Stellungnahme der Leopoldina und ihre Forderungen, denn sie belegen abermals, welchen Handlungsbedarf wir haben, bei gleichzeitig vorhandenen, aber bislang viel zu selten implementierten und genutzten Handlungsoptionen. Wir teilen die sehr treffende Einschätzung, dass die wirksame Bekämpfung von Adipositas eine gesamtgesellschaftliche Herausforderung ist, welche nur sektorübergreifend, interdisziplinär und ressortübergreifend bewältigt werden kann. Zugleich ist die Positionierung der Leopoldina ist ein klarer Auftrag an die politischen Entscheidungsträger, endlich zu handeln.“
Hintergrundinformationen:
Website zur Arbeitsgruppe der Leopoldina „Strategien zur Prävention und Therapie der Adipositas“