Deutsche Adipositas-Gesellschaft fordert wirksames Präventionsgesetz: strukturell, gerecht und evidenzbasiert
Berlin, 31. März 2026. Die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) hat gemeinsam mit der Arbeitsgemeinschaft Adipositas im Kindes- und Jugendalter (AGA) angesichts der aktuellen politischen Diskussionen um eine Weiterentwicklung der Präventionspolitik in Deutschland sowie der Reformbestrebungen im deutschen Gesundheitswesen ein Positionspapier mit zehn zentralen Anforderungen an ein wirksames Präventionsgesetz vorgelegt. Angesichts der steigenden Prävalenz von Adipositas in Deutschland fordern DAG und AGA einen grundlegenden Paradigmenwechsel in der Präventionspolitik.
Mehr als die Hälfte der Erwachsenen in Deutschland sowie ein wachsender Anteil von Kindern und Jugendlichen sind von Übergewicht oder Adipositas betroffen. Die Folge sind erhöhte Risiken für zahlreiche Erkrankungen sowie erhebliche Belastungen für das Gesundheitssystem und die Volkswirtschaft. „Adipositas ist eine chronische Erkrankung und eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. Wenn wir Prävention ernst meinen, müssen wir die strukturellen Ursachen adressieren – nicht nur individuelles Verhalten“, erklärt Prof. Matthias Laudes (Kiel), Präsident der DAG. „Ein neuaufgelegtes Präventionsgesetz bietet die Chance, evidenzbasierte und sozial gerechte Maßnahmen verbindlich zu verankern.“
In ihrem Positionspapier betonen DAG und AGA, dass wirksame Prävention nur durch ein Zusammenspiel verschiedener Ansätze erreicht werden kann. Neben der individuellen Ebene sind insbesondere strukturelle Rahmenbedingungen entscheidend – von gesunden Lebenswelten über frühzeitige Risikoerkennung bis hin zu evidenzbasierter Intervention.
„Wir sehen in der Praxis täglich, wie entscheidend frühe Interventionen für den Krankheitsverlauf sind“, sagt Prof. Martin Wabitsch (Ulm), Sprecher und Vorstandsmitglied der AGA. „Ein wirksames Präventionsgesetz muss Prävention entlang des gesamten Lebensverlaufs denken – insbesondere bei Kindern, Jugendlichen und Familien.“
Im Positionspapier werden zehn zentrale Handlungsfelder für ein wirksames Präventionsgesetz skizziert, darunter:
- Wahrnehmung und Einordnung von Adipositas als chronische Erkrankung
- die Verankerung von Verhältnisprävention als Leitprinzip
- die Stärkung von Früherkennung und Risikoscreening
- der Ausbau evidenzbasierter Frühintervention
- der Einsatz fiskalischer Maßnahmen wie Abgaben auf zuckerhaltige Getränke
- ein konsequenter Werbeschutz für Kinder
- die Förderung von Prävention über den gesamten Lebensverlauf
- die Stärkung betrieblicher Gesundheitsförderung
- Maßnahmen gegen Gewichtsstigmatisierung
- sowie eine verbesserte ressortübergreifende Steuerung und Evaluation
Das geplante Präventionsgesetz bietet aus Sicht der DAG die Chance, Prävention in Deutschland systematischer, wissenschaftlich fundierter und sozial gerechter zu gestalten. Entscheidend ist dabei eine langfristige Ausrichtung sowie eine verbindliche Evaluation der Maßnahmen. „Ein starkes Präventionsgesetz kann die Gesundheit der Bevölkerung nachhaltig verbessern und zugleich gesundheitliche Ungleichheiten reduzieren“, betont Prof. Laudes. „Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, die Weichen entsprechend zu stellen.“
Hintergrundinformationen:
Positionspapier: 10 Anforderungen an ein wirksames Präventionsgesetz – Strukturell, gerecht und evidenzbasiert