Prävention und Therapie Hand in Hand: Deutsche Adipositas-Gesellschaft zieht Bilanz nach Pressegespräch
Potsdam/Berlin, 1. September 2026 – Im Vorfeld des diesjährigen Adipositas-Kongresses hat die Deutsche Adipositas-Gesellschaft (DAG) in einem hochkarätig besetzten Online-Pressegespräch über die Zukunft der Adipositastherapie diskutiert. Unter dem Kongressmotto „Prävention und Therapie Hand in Hand“ beleuchteten führende Expert:innen den aktuellen Wandel der Adipositasmedizin, von den Potenzialen medikamentöser Therapieoptionen bis hin zu geschlechtsspezifischen Risiken. Der wissenschaftliche Kongress findet vom 23. bis 25. September 2026 in Potsdam statt.
Neue medikamentöse Optionen setzen zwar derzeit Impulse für die Behandlung von Patient:innen mit Adipositas. Die Expert:innen betonten jedoch, dass Pharma-Innovationen kein Allheilmittel sind. Für einen langfristigen Erfolg müssen Lebensstilinterventionen und moderne Therapieverfahren gemeinsam ihre Wirkung entfalten. Prof. Dr. Matthias Laudes (Präsident der DAG, Direktor und ärztlicher Leiter am Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel) führte aus: „Als Fachgesellschaft freut die DAG die aktuelle Dynamik rund um das Thema Adipositas und die Medienpräsenz des Themas. Dies darf aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass noch viel zu tun bleibt, um die Versorgung in Deutschland gut aufzustellen. Der Aufbau einer strukturierten Versorgung bleibt unser vorrangiges Ziel.“
Prof. Dr. André Kleinridders (Tagungspräsident 2026, Professor für Molekulare und Experimentelle Ernährungsmedizin an der Universität Potsdam) berichtete zum wissenschaftlichen Fokus des Adipositas-Kongresses in Potsdam und der Übertragung von Forschungsergebnissen in die Praxis und betonte: „Wir werden einen sehr interdisziplinären Kongress erleben, der alle Facetten rund um die Erkrankung Adipositas beleuchtet, von der Prävention bis zur Versorgung. Gerade die Interaktion mit der europäischen Fachgesellschaft EASO (European Association for the Study of Obesity) freut uns sehr, denn sie ermöglicht uns, miteinander von internationalen Erfahrungen zu lernen. Zentral ist für uns zudem die Nachwuchsförderung auf dem Kongress, um auch die nächste Generation von Wissenschaftler:innen und Mediziner:innen an das Fachgebiet heranzuführen.“
Ein zentraler Schwerpunkt des Pressegesprächs war die Rolle der Ernährung in Zeiten moderner inkretinbasierter Therapien. Prof. Dr. Knut Mai (President-Elect und Vizepräsident der DAG, Leitung der Medizinischen Klinik für Endokrinologie und Stoffwechselmedizin Charité Universitätsmedizin Berlin) zeigte auf, warum eine Ernährungsumstellung trotz moderner Medikamente zwingend notwendig bleibt. Prof. Mai betonte: „Entscheidend ist weiterhin ein multimodal aufgebautes Gesamtkonzept in der Behandlung. Denn die Ernährungsmedizin bleibt trotz aller Entwicklungen im medikamentösen Bereich weiterhin elementar für den Behandlungserfolg und hat insbesondere in der Verbesserung der Effektivität und Verträglichkeit von medikamentösen Therapien einen hohen Stellenwert.“
Auch die jüngsten Patient:innen standen im Fokus, denn vom strukturierten Disease-Management-Programm (DMP) für Kinder und Jugendliche bis zu modernen medikamentösen Therapieoptionen bieten sich viele Chancen in der Versorgung. Prof. Dr. Susann-Weihrauch-Blüher (Vizepräsidentin der DAG, Universitätsmedizin Halle/Saale, Dept. für Kinder- und Jugendmedizin, Pädiatrische Endokrinologie und Diabetologie) betonte, dass den neuen Entwicklungen Rechnung getragen werden muss: „Die Aktualisierung der S3-Leitlinie Therapie und Prävention der Adipositas im Kindes- und Jugendalter um neue Empfehlungen zur medikamentösen Therapie bei Kindern und Jugendlichen zeigt, wie relevant die neuen Möglichkeiten in der Behandlung sind. Nun kommt es darauf an, diese auch gezielt einzusetzen.“
Prof. Dr. Susanne Reger-Tan (Sekretärin und Schatzmeisterin der DAG, Direktorin der Klinik für Diabetologie und Endokrinologie, Herz- und Diabeteszentrum NRW, Universitätsklinik der Ruhr-Universität Bochum, Medizinische Fakultät OWL (Universität Bielefeld)) nahm dann die geschlechtsspezifische Medizin und Frauengesundheit in den Blick. Prof. Reger-Tan führte aus: „Adipositas ist keine geschlechtsneutrale Erkrankung. Häufig unterschätzt werden die hormonellen Faktoren bei der Entstehung und Behandlung von Übergewicht. Der weibliche Zyklus und kardiometabolische Risiken wie das Polyendokrine Metabolische Ovarialsyndrom (PMOS – ehemals Polyzystische Ovarsyndrom (PCOS)) müssen zwingend Teil einer zeitgemäßen medizinischen Versorgung sein. PMOS ist die häufigste hormonelle Störung bei Frauen und wird noch viel zu oft nicht diagnostiziert. Gerade im präventiven Bereich kann hier noch viel mehr aufgeklärt und getan werden.“
Geleitet und moderiert wurde das heutige Pressegespräch von Prof. Dr. Matthias Blüher (Mediensprecher der DAG, Leiter der Adipositas Ambulanz für Erwachsene und Professor für Klinische Adipositasforschung an der Universität Leipzig) sowie Sebastian Kruse (Politischer Geschäftsführer der DAG).